Verena Gründel: „Die Experimentierphase mit KI ist vorbei“

Verena Gründel: „Die Experimentierphase mit KI ist vorbei“

Interview

5 Minuten

13.08.2026

Die DMEXCO 2026 steht unter dem Motto „Scaling Intelligence“ und rückt die konkrete Anwendung von Künstlicher Intelligenz in den Mittelpunkt. Verena Gründel, Director Brand & Communications der DMEXCO, spricht über Agentic AI, KI als Business-Treiber, die Bedeutung starker Marken und die zunehmende Verschmelzung von Marketing und Commerce. Außerdem verrät sie, welche Themen und Bühnen Besucher:innen auf der DMEXCO nicht verpassen sollten. (Foto: Kölnmesse)

Verena, die DMEXCO hat in diesem Jahr über eintausend Speaker und rund 250 Stunden Programm. Lässt sich trotz dieser Fülle sagen, um welche Trends es besonders gehen wird?

Bei der Einordnung hilft unser Motto „Scaling Intelligence". Mit Blick auf Künstliche Intelligenz sagt es aus, dass die Experimentierphase mit KI vorbei ist und wir jetzt in die Umsetzung kommen müssen. Die Frage lautet: Wie schaffen wir nachhaltigen Geschäftserfolg? Diese Fragestellung zieht sich durch die gesamte DMEXCO, vor allem durch den Thought Leaders‘ Summit am ersten Tag. Dort geht es um KI als Business-Treiber: mehr Effizienz, neue Geschäftsmodelle und Umsatzpotenziale, bessere Entscheidungen – anstatt, wie es oftmals noch der Fall ist, nur Geld zu verbrennen.

Auch Agentic AI dürfte ein Thema sein…

Ja, KI-Agenten sind ein höchst relevantes Thema, weil sie innerhalb der letzten zwölf Monate stark an Bedeutung gewonnen haben. Letztes Jahr noch haben wir nur am Rande darüber gesprochen. Auch Agentic Commerce wird immer wichtiger. Zugleich wird die starke, vertrauenswürdige Marke durch KI wieder relevanter: Verbraucher:innen kaufen Marken, denen sie vertrauen, und auch für die Sichtbarkeit in großen Sprachmodellen zählt Vertrauen, etwa über PR oder Gütesiegel.  Relevanter geworden sind zudem die Themen digitale Souveränität und Stärkung des Open Internet: Europäische Unternehmen machen sich vermehrt Gedanken, wie die hiesige Digitalwirtschaft gestärkt und unabhängiger von anderen Kontinenten werden kann.

Hinzu kommt die fortschreitende Fragmentierung des Marktes – Total Video, Retail Media, Creator Economy, soziale Netzwerke, Conversational Commerce. Der Trend, dass sich jede Form von Aufmerksamkeit in Commerce übersetzt, ist ungebrochen: Creator werden zu Verkaufsplattformen, Publisher binden Marktplätze an. Das führt direkt zum Thema Commerce, in das wir stark investieren. Ich kenne keine andere Veranstaltung, die Marketing und Commerce in dieser Größenordnung zusammenbringt.

Was sind die Highlights für Besucher:innen, die sich vor allem für KI im Marketing interessieren?

Die Center Stage mit dem Thought Leaders‘ Summit an Tag eins ist ein Muss für alle, die sich dafür interessieren. Dort spricht unter anderem der Analyst Benedict Evans zum Thema Scaling Intelligence. Direkt danach folgt ein rein weiblich besetztes Panel zu KI als echtem Wettbewerbsvorteil, mit Kristin Fracchia von Gamma, Vanessa Stützle von der LUQOM Group und Jay Trestain von IBM Consulting. An Tag zwei eröffne ich gemeinsam mit Vera Sidlova von Kantar den CMO-Summit mit einer exklusiven Datenanalyse zum Thema “GenAI and Ad Effectiveness – What CMOs Need to Know” – auf Basis exklusiver Studiendaten. Grundsätzlich lässt sich aber sagen: Auf allen Topic Stages zieht sich KI durch die jeweiligen Disziplinen von Tech bis Media.

Worin besteht der inhaltliche Anspruch?

Unser Programm ist stark an der Frage ausgerichtet, wie Unternehmen die vorhandene KI-Technologie jetzt tatsächlich nutzen. Beim Thought Leaders‘ Summit werfen die großen Plattformen – Google, Microsoft, Anthropic, OpenAI – einen Blick auf die technologische Zukunft. Am zweiten Tag stehen auf der Center Stage CMOs im Fokus und zeigen anhand der Marketingstrategien großer Marken die praktische Umsetzung. Auf den Topic Stages in den thematischen Summits lässt sich lernen, wie sich das in einzelnen Disziplinen anwenden lässt, in den Masterclasses wird es dann sehr operativ. Ein weiterer, ebenso aktueller wie zeitloser Anspruch ist der Marktüberblick, den die DMEXCO bieten will: Der Branche fällt es zunehmend schwer, den Markt in seiner Gesamtheit zu durchdringen. Mit den verschiedenen Worlds, Summits und der gesamten Expo wollen wir diesen Überblick abbilden.

Was ist neu gegenüber dem Vorjahr?

Vor allem der Ausbau der World of Commerce: Der Commerce Summit auf der Commerce Stage findet erstmals zweitägig statt. Neu ist auch die Commerce Lounge mit einer eigenen Bühne, auf der sich ebenfalls zwei Tage lang alles um Commerce-Themen dreht, und das Podcast-Studio. Erstmals decken wir in der Wold of Commerce die vollständige Wertschöpfungskette des digitalen Handels ab. Neu ist außerdem die Innovation Stage, auf der Start-ups, neue Geschäftsmodelle und innovative Ideen im Fokus stehen.

Welchen Stellenwert hat die DMEXCO mittlerweile in Europa?

Die DMEXCO ist die größte B2B-Veranstaltung für digitales Marketing, bei der Entscheider zusammenkommen und die Themen von morgen diskutieren. Wir liegen nicht zufällig im dritten Quartal. Zu dem Zeitpunkt können wir die Agenda und die Geschäftsabschlüsse für das kommende Jahr prägen. Was zuvor bei anderen europäischen Veranstaltungen angebahnt wurde, wird bei uns finalisiert. Mit rund 30 Prozent ausländischen Besucher:innen sind wir international positioniert, mit Fokus auf Europa – trotzdem blicken wir auch nach Amerika und Asien, etwa zu Themen des chinesischen E-Commerce.

Hast Du konkrete Tipps für Besucher:innen?

Auf jeden Fall beide Tage einplanen! Der zweite Tag wird oft unterschätzt, ist inhaltlich aber genauso stark und bietet, weil es ruhiger zugeht, mehr Raum für intensive Gespräche. Vorher lohnt sich ein Blick in die App, in der man das Programm strukturieren, Sessions vormerken und nach Themen wie KI filtern kann – ein, zwei zusätzliche Filter helfen, das passende Thema zu finden. Ich würde empfehlen, maximal 60 bis 70 Prozent der zwei Tage vorzuplanen, damit Raum für Spontanes bleibt. Auch die Standpartys lohnen sich, weil man dort mit anderen Menschen in Kontakt kommt. In der App sieht man zudem, wer vor Ort ist, man kann gezielt suchen, Kontakte anschreiben und um Termine bitten. Und wer doch etwas verpasst hat: Nach der Veranstaltung steht der gesamte Content – rund 250 Stunden – zeitnah auf unserer Plattform zur Verfügung, sodass sich Verpasstes im Nachgang vertiefen lässt.

Interview: Helmut van Rinsum

Verena Gründel ist Director Brand & Communications der DMEXCO. In dieser Eigenschaft ist sie offizielle Gastgeberin sowie mediale Repräsentantin des Digital Marketing & Tech Events. Außerdem ist sie als Teil des Boards – gemeinsam mit dem BVDW – für die strategische Weiterentwicklung und Internationalisierung der Marke DMEXCO verantwortlich. Bevor Verena Gründel im Februar 2024 den Job übernahm, war sie viele Jahre bei der Fachzeitschrift Werben & Verlaufen, zuletzt als Chefredakteurin.

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