Contextual Targeting mit KI-Multi-Agenten

Contextual Targeting mit KI-Multi-Agenten

Insight

4 Minuten

11.03.2026

Third Party Cookies verlieren rapide an Wirksamkeit, die Video-Landschaft fragmentiert zunehmend. KI-basiertes Contextual Targeting bietet einen zukunftssicheren Ansatz, besonders durch Multi-Agenten-Systeme im Bereich Total Video. Ein Fachbeitrag von Nasir Khawaja, VP DACH von Silverpush

Obwohl Google seine Pläne zur vollständigen Abschaffung von Third Party Cookies revidiert hat, ändert sich wenig an der grundlegenden Herausforderung: Klassische Cookie-basierte Methoden werden zunehmend ineffektiv. Browser wie Safari und Firefox blockieren Third Party Cookies bereits standardmäßig, die Akzeptanzraten von Cookie-Bannern sinken massiv. Egal ob TikTok, Meta, YouTube, Connected TV oder Open Web, jede Plattform hat eigene Mechanismen und Reichweiten. Klassische demografische Modelle wie „männlich, 18-35, Automotive-Fan" greifen inzwischen viel zu kurz und erreichen Menschen nicht mehr im richtigen Moment mit der richtigen Botschaft.

Total Video Advertising vereint alle videobasierten Kanäle strategisch, um Reichweite und Effektivität zu maximieren. Nutzer konsumieren Videos nicht mehr auf einer Plattform, sondern über den gesamten digitalen Raum hinweg. Werbetreibende brauchen deshalb neue Lösungen, die datenschutzkonform sind und trotzdem höchste Relevanz bieten – unabhängig davon, ob Cookies verfügbar sind oder nicht. Die Antwort lautet Contextual Intelligence: die Fähigkeit, Kontext zu verstehen und darauf basierend intelligente Entscheidungen zu treffen.

Contextual Intelligence:
Menschen verstehen statt Inhalte scannen

Contextual Targeting gibt es schon lange. Aber heutzutage geht es nicht mehr nur um das Verstehen von Inhalten, sondern um das Verstehen von Menschen. Die entscheidende Frage lautet: Warum beschäftigt sich ein Nutzer mit einem bestimmten Thema? Was fühlt er? Was hat er vor? KI analysiert kontextuelle Signale und Datenpunkte auf Video-Ebene und liefert Antworten nicht nur auf das „Wo", sondern auch auf das „Warum" und „Wann". Contextual Intelligence beantwortet die Frage nach Motivation und Moment der Nutzung.

Ein Praxisbeispiel: Eine Sportmarke bewirbt neue Laufschuhe. Die KI identifiziert Videos zu Joggingroutinen, Lauf-Events, Lauf-Influencer und Trainings-Tipps, vermeidet die Ausspielung bei verletzungsbezogenen oder kontroversen Inhalten und erstellt eine kuratierte Allowlist über YouTube, CTV, Open Web und weitere Kanäle. Doch Contextual Intelligence geht über das Offensichtliche hinaus: Das Thema wird strategisch um die Ecke gedacht. So können auch Fast-Food-Lover angesprochen werden, die Interesse an einem aktiveren Lebensstil haben – ein Kontext, den klassische Methoden nicht hergestellt hätten.

Multi-Agenten-KI-Systeme:
das orchestrierte Zusammenspiel

Die nächste Evolutionsstufe sind Multi-Agenten-KI-Systeme, bei denen mehrere KI-Agenten wie ein Team zusammenarbeiten. Jeder Agent konzentriert sich auf einen wichtigen Teil der Kampagnen-Journey:

Ein Agent übernimmt die automatisierte Kampagneneinrichtung und verwandelt das Briefing einer Marke in einen kontextuellen Mediaplan, der auf TikTok, Meta, YouTube oder CTV und programmatischen Kanälen aktiviert werden kann. Ein zweiter Agent stellt sicher, dass Anzeigen in markensicheren und kontextuell relevanten Umfeldern ausgespielt werden. Parallel dazu optimiert ein dritter Agent Kampagnen aktiv in Echtzeit und passt Ausspielung sowie Platzierungen an, um Kennzahlen wie Interaktion, Sichtbarkeit und Conversion zu verbessern. Ein vierter Agent analysiert kontinuierlich Performance-Daten für tiefere Erkenntnisse und umsetzbare Empfehlungen.

Das Besondere: Die Agenten kommunizieren miteinander und lernen voneinander. Wenn das System feststellt, dass ein bestimmtes kontextuelles Signal – etwa ein Influencer, Tutorial oder eine Video-Kategorie – außergewöhnlich gut funktioniert, verlagern die KI-Agenten über alle aktiven Kanäle hinweg automatisch mehr Budget auf den erfolgreichen Kontext. So entstehen Kampagnen, die sich selbst verbessern und dabei intelligentere Erkenntnisse und bessere Ergebnisse liefern.

Cultural Intelligence:
die kulturelle Dimension

Moderne KI-Systeme verfügen zudem über eine Cultural Intelligence. Sie erkennen aufkommende Trends und Veränderungen im Nutzerverhalten in Echtzeit und arbeiten mit Modellen, die auf regionale Besonderheiten und lokale Kultur zugeschnitten sind.

Die Technologie analysiert nicht wahllos alle verfügbaren Videos, sondern wählt gezielt relevante Inhalte aus, etwa deutschsprachige Automotive-Videos für eine Automarke oder Fitness-Content für eine Sportmarke. So entstehen präzise Kontextprofile anstatt generischer Datenmassen. Die Technologie analysiert die Marke und Zielgruppe der Werbetreibenden und empfiehlt darauf aufbauend neue Nutzerpersonas und passende Kontexte, um die Reichweite zu erweitern.

Ausblick: Eine neue Ära der Werbung

Multi-Agenten-Systeme markieren einen wichtigen Schritt hin zu intelligenter, ergebnisorientierter Werbung, bei der KI den Prozess nicht nur unterstützt, sondern aktiv steuert. Diese selbstoptimierende Intelligenz verändert grundlegend, wie Marketer denken sollten: Total Video wird zur ganzheitlichen Strategie, Einzellösungen gehören der Vergangenheit an. Der entscheidende Vorteil liegt darin, dass Contextual Intelligence klassische Demografie hinter sich lässt, indem sie den Moment und die Motivation der Nutzer erfasst. Deshalb sollten Multi-Agenten-Systeme nicht nur zur Analyse eingesetzt werden, sondern zur aktiven, kontinuierlichen Optimierung. Die Zukunft der Video-Werbung ist kontextuell, intelligent und selbstoptimierend.

Der Wandel vom Cookie-basierten über kontextbasiertes Targeting bis hin zu Contextual Intelligence ist mehr als eine technische Anpassung. Es ist ein Paradigmenwechsel, der Werbung relevanter und erfolgreicher macht.

Der Autor: Nasir Khawaja ist seit September 2025 Vice President DACH bei Silverpush, einem 2012 in Singapur gegründeten AdTech-Unternehmen, das auf Contextual Intelligence spezialisiert ist. In seiner Position verantwortet er das strategische Wachstum des Unternehmens im deutschsprachigen Raum und die Weiterentwicklung kontextueller Werbelösungen im Total-Video-Bereich. Zuvor war Khawaja sechs Jahre bei Ogury tätig, zuletzt als Regional Go-To-Market Director EMEA und APAC.

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