Connected TV (CTV) gilt als einer der dynamischsten Bereiche des digitalen Werbe-marktes. Während das Angebot an Premium-Streaming weiter wächst, bewegen sich Werbetreibende und Publisher in zunehmend komplexen Workflows, fragmentierten Nutzungsumgebungen und steigenden Erwartungen an Transparenz und Messbarkeit. Da KI immer tiefer in das Programmatic Advertising integriert wird, konzentriert sich das unabhängige Adtech-Unternehmen Magnite verstärkt auf die Einführung KI-gestützter Funktionen, um Publishern und Einkäufern zu mehr Effizienz zu verhelfen. Im Interview spricht Rutger Maree, Commercial Director DACH bei Magnite, über die wachsende Rolle der KI, das Aufkommen „agentischer“ Workflows (Agentic Workflows) und wie die Automatisierung die Planung und Ausführung von Kampagnen verändert.
Magnite hat kürzlich mehrere neue KI-Funktionen für seine SpringServe-Plattform eingeführt. Was steckt dahinter?
Unser Ziel ist es, die Entscheidungsfindung für Medieneigentümer und Einkäufer zu optimieren. Zu diesem Zweck haben wir die Mediations-Funktionen in SpringServe erheblich erweitert. Dies gibt Publishern einen zentralen Überblick über Monetarisierungsmöglichkeiten und ermöglicht es ihnen, die Aktivierung und Optimierung der Nachfrage besser zu steuern.
Konkret haben wir drei neue Funktionen eingeführt: Anomaly Detection identifiziert Veränderungen in der Auktionsleistung, Demand Path Optimization optimiert die Einkaufspfade für maximale Effizienz und Dynamic Pricing passt die Preise automatisch an wechselnde Marktbedingungen an. Gleichzeitig treiben wir „agentische“, KI-gesteuerte Tools voran, einschließlich der Einführung eines „Buyer Agents“, um die Aktivierung, Optimierung und das Performance-Management zu vereinfachen.
Welche spezifischen Vorteile ergeben sich daraus für Publisher?
Die größten Vorteile für Publisher sind mehr Sichtbarkeit, schnellere Entscheidungsfindung und eine verbesserte operative Effizienz. KI kann dabei helfen, Veränderungen in der Auktionsleistung und der Nachfrage viel schneller zu erkennen. Wenn beispielsweise technische Probleme auftreten oder sich die Anzahl der Werbeanfragen plötzlich ändert, werden diese Entwicklungen sofort sichtbar. So können Publisher schneller reagieren und potenzielle Chancen optimal nutzen.
Wie wichtig ist Transparenz in diesem Zusammenhang?
Transparenz wird mit zunehmender Automatisierung immer wichtiger. Das gesamte Adtech-Ökosystem wird komplexer. Gleichzeitig werden immer mehr Entscheidungen automatisch getroffen. Deshalb müssen Publisher und Werbetreibende nachvollziehen können, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden.
Ein Schwerpunkt Ihrer Innovationen betrifft den CTV-Markt. Warum spielt KI dort eine so wichtige Rolle?
Connected TV generiert enorme Datenmengen – von Zielgruppeninformationen bis hin zu Transaktionsdaten. KI hilft dabei, Muster zu erkennen, Chancen aufzuzeigen und Routineaufgaben zu automatisieren. Sie unterstützt Publisher und Einkäufer dabei, schneller auf sich ändernde Marktbedingungen zu reagieren und effizienter zu agieren.
Sehen Sie auch Potenzial auf der kreativen Seite?
Absolut. Unser Tool streamr.ai kann die Erstellung von Videoanzeigen erheblich vereinfachen. Werbetreibende können mit nur wenigen Eingaben – wie einer Website, Produktinformationen oder Brand Assets – komplett neue Werbemittel erstellen oder bestehende anpassen. Dies eröffnet insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen neue Möglichkeiten. Viele von ihnen hielten CTV bisher für zu komplex oder zu teuer. Wenn die Erstellung von Werbemitteln und das Kampagnenmanagement einfacher werden, sinken die Einstiegsbarrieren erheblich.
Ein weiteres neues Tool ist Dynamic Pricing. Welche Auswirkungen hat dies auf den Markt?
Dynamic Pricing wirkt auf beiden Seiten des Marktes. Wenn plötzlich deutlich mehr Inventar verfügbar ist – zum Beispiel bei großen Live-Events – können die Preise automatisch angepasst werden. Publisher profitieren, da sie mehr von ihrem Inventar monetarisieren können. Gleichzeitig haben Einkäufer die Möglichkeit, schneller auf neue Marktbedingungen zu reagieren und zusätzliche Reichweite zu attraktiven Preisen zu erwerben. Solche Anpassungen finden in Echtzeit statt und wären manuell kaum machbar.
In der jüngsten Ankündigung zu den neuen KI-gestützten Assistenz- und Ausführungsfunktionen werden Partnerschaften mit Unternehmen wie Disney, MiQ und PMX erwähnt. Können Sie uns mehr darüber sagen?
Letztlich geht es darum, die Zusammenarbeit zwischen Publishern, Agenturen und Plattformen zu verbessern. Publisher steuern Premium-Inventar und First-Party-Daten bei. Agenturen verfügen über Kampagnenziele und Zielgruppenexpertise. Plattformen wie Magnite verbinden beide Seiten so effizient wie möglich. Wir verstehen uns als Infrastrukturschicht innerhalb des Ökosystems. Die in unserer jüngsten Mitteilung genannten Unternehmen sind Beispiele für diese Zusammenarbeit. Das zugrunde liegende Prinzip gilt jedoch für alle unsere Partner.
Ganz allgemein gefragt: Welche Auswirkungen hat die zunehmende Automatisierung auf Mediaplaner und Campaign Manager?
Wir erleben diesen Prozess bereits. Die Frage, wo Gebote platziert werden sollten oder welcher TKP (Tausend-Kontakt-Preis) für eine bestimmte Kampagne optimal ist, kann zunehmend von KI-Systemen beantwortet werden. Dies gibt den Teams mehr Zeit für strategische Aufgaben wie Zielgruppenanalyse, Kampagnenplanung oder die Auswertung von Ergebnissen.
Wie sehen Sie die Zukunft der KI im Programmatic Advertising?
Wir bewegen uns weg von einer Welt manueller Prozesse hin zu intelligenteren, automatisierungsgesteuerten Ansätzen. KI wird zunehmend helfen, operative Routineaufgaben zu automatisieren und die Aktivierung sowie Optimierung zu straffen. Wir erwarten, dass „agentische“ Workflows zum Standard werden, was es Käufern und Verkäufern ermöglicht, effizienter zu arbeiten. Gleichzeitig werden generative KI und automatisierte Kreativprozesse eine größere Rolle spielen. Parallel dazu wird der Bedarf an Transparenz und Governance weiter steigen.
Die eigentliche Chance der KI liegt in der Reduzierung operativer Komplexität, damit Teams mehr Zeit für Strategie, Planung und die Erzielung besserer Ergebnisse für ihre Kunden aufwenden können. Mit zunehmender KI-Nutzung werden Transparenz, Interoperabilität und menschliche Aufsicht der Schlüssel sein, um Vertrauen im gesamten Ökosystem aufzubauen und zu erhalten.
Was steht bei Magnite in diesem Jahr noch auf der Agenda?
Eine unserer wichtigsten Prioritäten für den Rest des Jahres ist der Ausbau der KI-Anwendungen in unseren Lösungen, um Kunden effizienteres Arbeiten zu ermöglichen. Ein wichtiger Fokus liegt auf den ersten Tests unseres „Buyer Agents“ in Deutschland. Mit unserem „Seller Agent“ haben wir bereits erfolgreiche Kampagnen durchgeführt. Nun wollen wir die nächsten Schritte gehen und weitere KI-gestützte Funktionen auf den Markt bringen. Darüber hinaus arbeiten wir an zusätzlichen Lösungen rund um Streamr.ai und die automatisierte Erstellung von Werbemitteln. Die kommenden Monate werden für uns sehr spannend.
Interview: Helmut van Rinsum
Rutger Maree ist Commercial Director Nordeuropa bei Magnite. Er leitet die Umsetzung der Omnichannel-Vertriebsstrategie des Unternehmens in der DACH-Region, den Niederlanden und Osteuropa. Bevor Maree bei Magnite startete, verantwortete er den regionalen Vertrieb bei RTL AdConnect und war bei SpotX für die Nachfrage in ganz Europa zuständig.








