5 KI-Tools im Marketing-Praxistest

Im Marketing bietet Künstliche Intelligenz völlig neue Möglichkeiten der kreativen Entfaltung. Schnell und unkompliziert können Designs, Texte oder Voiceover-Audios erzeugt und direkt in das Projekt eingebunden werden. Simon Deluigi (Foto) hat bei esome Advertising Technologies, einem Spezialisten für digitales Marketing, schon frühzeitig KI eingesetzt. In einem Fachbeitrag beschreibt er, welche KI-Tools er im Marketing für nahezu unverzichtbar hält.

1. ChatGPT

Weltweit eine Millionen Nutzer:innen meldeten sich innerhalb von fünf Tagen nach Veröffentlichung der Software-Version GPT-3 auf der Plattform an. Expert:innen erklärten den Hype um die App hauptsächlich mit deren Benutzer­freundlichkeit: Zum ersten Mal konnte eine Person auch ohne Computerkenntnisse mit KI interagieren.

Genau hier findet sich der USP dieser Anwendung: das bekannte „Chatten“ mit einem Bot, wie man es z.B. schon von Support-Bots im E-Commerce kennt, nur eben auf einem technisch deutlich höheren Level.

Für die Arbeit im Marketing bedeutet das: Egal ob beim Formulieren von Mails, Texten, Kürzen von langen Absätzen oder auch beim einfachen und schnellen Übersetzen in eine andere Sprache – die KI kann nicht nur Zusammenhänge bestens verstehen, sondern erzeugt auf Basis der Eingabe, dem so genannten „Prompten“, auch gute Ergänzungen oder Vorschläge. Den kreativen Umgang mit Worten muss die KI jedoch noch etwas trainieren. Wenn es beispielsweise um das Vorschlagen von Produktnamen oder Slogans geht, hapert es noch ein wenig: Ginge es nach ChatGPT, würde man z.B. nicht unser „esome Magazine“ Kundenmagazin in den Händen halten, sondern die „Channel Pulse Chronicles“ oder die „Market Mosaic Gazette“. Nichtsdestotrotz: Bei einer Schreibblockade oder dem Wunsch nach abwechslungsreichen Zeilen, kann das Tool mit inspirativen Vorschlägen oft den Stein ins Rollen bringen. Da ChatGPT sich vielseitig einsetzen lässt, ist es für alle Abteilungen in einem Unternehmen empfehlenswert und hilfreich.

2. ElevenLabs

ElevenLabs ist einer der besten KI-Sprachgeneratoren im Bereich „Text-to-Speech“ (TTS) und eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Das noch junge, gleichnamige Unternehmen, das ElevenLabs entwickelt hat, gibt es erst seit 2022. Es hat in kurzer Zeit das erreicht, was viele andere TTS-Generatoren nicht geschafft haben: Text in hochwertiges Audio mit verschiedenen Stimmen, Stilen und Sprachen umzuwandeln. Dank der Technologie schafft das Tool menschen­ähnliche Intonation und Nuancen mit einzigartiger Präzision. Dazu können Nutzer:innen nicht nur auf eine riesige Bibliothek an KI-Stimmen zurückgreifen, sondern durch ein Audioupload auch eigene Stimmen klonen.

Wir bei esome haben zuletzt einige Content-Projekte damit vertont, was uns in der Produktion etwa eine Woche Zeit gespart hat. Warum? Es müssen keine Voice-Over Stimme eingekauft und kein Briefing geschrieben werden und wir sparen uns einige Korrekturschleifen. Jede:r Kreative kann einen Text direkt in wenigen Minuten selbst in eine nahezu professionelle Sprachaufnahme umwandeln lassen. Warum nur nahezu? Beim genaueren Hinhören kann man erkennen, dass es sich nicht um eine natürliche Person handelt. Zum einen, weil die Technologie noch in den Kinderschuhen steckt, und zum anderen, weil es etwas Zeit braucht, das perfekte Setup zu finden. Abhilfe schafft da nur eine intensive Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der einzelnen Parameter bei der Sprach-Generierung. Aber mit ein wenig Übung macht das Tool für Kreative, Marketer oder Content Creator unheimlichen Spaß und ermöglicht den Autor:innen, ihr Storytelling-Potential auf eine neue Art zu entwickeln.

ElevenLabs ist unser Tipp für alle dynamischen DIY-Marketing-Abteilungen, die Content-Ideen und Konzepte schnell testen oder umsetzen wollen.

3. Midjourney

Viral gegangen sind Midjourneys Kreationen schon mehrfach. Das Bild des Papstes in modischer Winterjacke oder die verwirrenden Szenen von Donald Trump beim Versuch, der Polizei zu entkommen, sind nur zwei bekannte Beispiele. Erstmals werden hier der Gesellschaft auch die Risiken solcher Anwendungen deutlich vor­geführt. Ungeübte Augen können die Resultate guter Prompts nur schwer enttarnen.

Midjourney gehört unter der Vielzahl von „Text-to-Image“ KIs (TTI) zu den belieb­testen und beeindruckt im Netz immer wieder mit spektakulären Ergebnissen. Im Gegensatz zu vielen derzeit populären KI-Tools wie ChatGPT oder Bard steckt kein Tech-Gigant wie Microsoft, Google oder Meta dahinter. Aus diesem Grund lässt sich Midjourney zurzeit auch nur über einen Discord-Channel bedienen. Dieser stellt eine kostenfreie Anwendung dar, der Sprach-, Video- und Textkommunikation mit Freund:innen, Spielgemeinschaften und Entwickler:innen ermöglicht.

Die KI überzeugt vor allem durch die Bildqualität und die optische Vielseitigkeit. Wer menschliche Charaktere, verschiedene Szenarien oder möglichst realistische Bilder entwerfen will, bekommt hier einiges geboten. Grundsätzlich gilt: Je präziser der Prompt, desto besser das Ergebnis. 

Wir haben Midjourney dieses Jahr das Magazin Cover des esome Kundenmagazin gestalten lassen. 

Midjourney hat das Cover des esome Kundenmagazins entworfen

 

Was könnte der passende Prompt dazu gewesen sein? Antwort setzt sich aus diesen Zeilen zusammen:

„hyperrealistic cinematic photography, women middle age, wearing green futuristic suit, digital glasses, cyberpunk style, dystopia, womancore, background shows high lights mint and red colors with utopia of digital world, AI, Media and technology, gorecore, dreamlike settings, –ar 4:5”

Das Ergebnis haben wir genau so ohne eigene Überarbeitungen übernommen.

Zu dieser KI gibt es Alternativen wie Playground, Dall-E von Open AI oder Stable Diffusion. Alle haben ihre Stärken, konnten uns jedoch nach verschiedenen Tests nicht die hochwertigen und verwendbaren Ergebnisse liefern wie Midjourney. Dafür bietet Midjourney (noch) keine anzapfbare API wie beispielsweise Dall-E. Außerdem ist das Tool nicht kostenlos und open-source wie Stable Diffusion.

4. Adobe Firefly – Photoshop AI

Die KI hat das kreative Geschäftsmodell verändert, denn sie birgt das Risiko, mit dem Geschäft von Adobe zu konkurrieren. Schließlich können nunmehr Bilder, an denen zuvor Illustrator:innen oder Grafikdesigner:innen stundenlang gearbeitet haben, in Sekundenschnelle erstellt werden. Diese rasante Entwicklung der Automatisierung hat Adobe unter Druck gesetzt. Es stellte sich die Frage: Wie kann Adobe seine zahlenden Kund:innen halten? Noch wichtiger: Wie kann Adobe Kreativen weltweit dabei helfen, die Potenziale der KI zu nutzen, anstatt von ihr verdrängt zu werden? In den letzten Monaten hat Adobe deshalb seine KI-Werkzeuge – unter dem Namen „Firefly“ bekannt – in einer Beta-Phase von den Anwender:innen testen lassen. Diese KI-Funktionen sind nun in den neuesten Versionen der Adobe Grafikprogramme integriert.

Auch unser Marketing-Team konnte diese Werkzeuge bereits im Arbeitsalltag ein­setzen. So lässt sich zum Beispiel der Hintergrund eines Bildes durch ein anderes Bild ersetzen, das direkt vom Programm generiert wird. Zudem kann der vorhandene Bildinhalt durch Anpassungen des Seitenverhältnisses intelligent erweitert werden. Auch die verbesserte Schnellauswahl oder das Trennen von Objekten erspart müh­sames Selektieren mit dem Auswahlwerkzeug. In Adobe Premiere Pro unter­stützt KI bei der Entfernung von Störgeräuschen in den Tonspuren, wäh­rend die Nachbearbeitung durch eine vereinfachte Rotoskopie-Technik erleichtert wird.

Adobe integrierte folglich charmant seine KI-Lösungen in bestehende Strukturen, um Kreativschaffende noch besser zu unterstützten. Das macht das Arbeiten im Adobe-Universum deutlich effizienter. 

5. HueMint

In der Welt des Grafikdesigns sind Farben von entscheidender Bedeutung. Sie können Emotionen hervorrufen, Botschaften übermitteln und ein Design zum Leben erwecken. Das Open Web bietet zwar eine Vielzahl von Farbgenerierungstools, aber die meisten von ihnen beschränken sich auf die Erzeugung einer flachen Palette von fünf Farben. Dies mag als Ausgangspunkt nützlich sein, erfordert jedoch immer noch Erfahrung und Intuition, um diese Farben richtig in ein Projekt zu integrieren.

Ein bekanntes Tool unter Designer:innen ist das „Adobe Color Wheel“. Es kann zu einer Grundfarbe zum Beispiel verschiedene Komplementäre, Triaden oder monochromatische Kombinationen anzeigen. Wenn es aber um innovative KI-Farborchestrierung geht, hängt Adobe etwas zurück. Hier kommt HueMint ins Spiel. HueMint setzt maschinelles Lernen ein, um Farben für die Welt des Grafikdesigns zu generieren und geht dabei einen Schritt weiter als herkömmliche Tools. Anstatt flache Farbpaletten zu erzeugen und die Nutzer:innen damit allein zu lassen, berücksichtigt HueMint, wie jeweilige Farben in ihrem endgültigen Design verwendet werden können. Designer:innen profitieren dadurch von einer immensen Zeitersparnis und der Gewissheit, dass die Farbpalette funktioniert.

Aber das ist noch nicht alles. HueMint lässt sich zum Beispiel für den Einsatz von Webseiten, Brandings, Magazinen oder sogar Bootstrap Frameworks nutzen. Es ermöglicht Designer:innen, Farben auf eine neue und effiziente Weise zu generieren sowie einzusetzen. Im Handumdrehen demonstriert es mittels gut gewählter Mockups die praktische Integration der Farben in ein mögliches Projekt wie Webdesign oder Print.

Fazit: KI erhöht Effizienz und macht Spaß

Alles in allem zeigt sich, dass Marketingspezialisten mit entsprechenden KI-Tool das Spektrum der Kommunikationsanforderungen deutlich einfacher, schneller und besser bewältigen und dabei auch noch eine Menge Spaß haben können.

Simon Deluigi ist Marketing- und Kommunikations-Manager bei esome advertising technologies und beschäftigt sich dort u.a. mit der Frage, wie sich KI erfolgreich in die dynamische Welt des Marketing integrieren lässt. Zuvor arbeitete mit zahlreichen Unternehmen und Startups zusammen, für die er Konzepte zur Digitalisierung und Arbeitsorganisation im Marketing entwickelte.