„KI holt auf Amazon das Optimum heraus“

Künstliche Intelligenz kann das Anzeigenmanagement auf Amazon optimieren. Sie kümmert sich selbständig um die Gebote und überwacht sämtliche Parameter. Ein Interview mit Marcel Pirlich, CEO der Bidmanagement GmbH, Berlin.

Amazon hat in der vergangenen Zeit die Advertising-Möglichkeiten weiter ausgebaut. Ist es jetzt sinnvoll, sich nur noch dort zu engagieren?

Pirlich: Das hängt sehr stark von den definierten Zielen ab. Jetzt das ganze Budget auf Amazon zu verlagern, halte ich zunächst mal nicht für sehr sinnvoll. Grundsätzlich gilt, dass Händler, die auf Amazon verkaufen, sich mit den Möglichkeiten des Advertising unbedingt beschäftigen sollten. Aber auch diejenigen, die noch gar nicht auf Amazon sind, sollten überlegen, ihre Produktpräsenz dorthin auszuweiten. Dabei sollten jedoch die anderen Plattformen wie Google, Bing und Yandex nicht außer Acht gelassen werden. Aber auch hier verlangt es eine für die Plattform angepasste Strategie und eine sehr klare Zieldefinition. Insbesondere braucht es aktuell eine genaue Beobachtung, weil derzeit die Traffic-Ergebnisse der organischen Suche immer weiter zurückgehen.

Was macht das Advertising auf Amazon so erfolgreich?

Pirlich: Amazon hat über viele Jahre eine komplette Welt erschaffen, und sich sehr stark auf das Kundenerlebnis konzentriert. Mit großem Erfolg. Was unter anderem dazu geführt hat, dass viele Kunden Amazon als Produkt-Suchmaschine nutzen, quasi der perfekte Einstieg in die Customer Journey. Mehr als 50 Prozent aller Produktsuchen beginnen heute auf Amazon und der Wettbewerb unter den einzelnen Anbietern ist hart – mein Produkt muss also besser gefunden werden als die anderen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um hier erfolgreich zu werben?

Pirlich: Es braucht eine klare Definition der Ziele, die erreicht werden sollen. Gleichzeitig sollte jedem klar sein, dass es bei der Komplexität, die Amazon bietet, viel Manpower im Advertising braucht, um damit die Ziele erreichen zu können. Es sind sehr viele Stellschrauben, die aufeinander abgestimmt sein müssen, um mit Erfolg zu werben. Dies gilt übrigens auch für alle anderen Plattformen. Und je mehr Produkte platziert werden sollen, um so mehr Aufwand braucht es, die Parameter abzustimmen. Die Anforderungen allgemein: Die Auswahl und das permanente Aktualisieren der richtigen Suchbegriffe und dann der Verkaufsmechanismus bei Amazon: Werbung wird an den Höchstbietenden versteigert. Und dieser Prozess erfordert eher statistische Kompetenzen als kreative.

Das spricht für eine Automatisierung, wie es Adspert macht. Wo ist der Nutzen?

Der größte Nutzen für Advertiser besteht darin, Freiraum für Kreation zu gewinnen und gleichzeitig die Kontrolle und die Übersicht über das Advertising zu erlangen. Unsere KI, die vor einigen Jahren aus dem Börsenhandel adaptiert wurde, kümmert sich selbstständig mehrmals am Tag um die Gebote auf allen Marktplätzen, überwacht sämtliche  Parameter und die vorab eingestellten Zieldefinitionen. Im Falle von Amazon kann das System sogar selbständig alle Anzeigenkampagnen erstellen und verwalten. Eigentlich ein tagesfüllender Job, bei entsprechend vielen Keywords auch für viele Personen. Das lässt sich mit der KI besser und präziser lösen. Mehrere Millionen Gebote sind bei großen Volumina inzwischen nötig, um das Optimum herauszuholen. Das Budget wird einfach sehr präzise investiert um eine hohe Profitabilität bei Amazon zu gewährleisten.

Welche Erfahrungen haben  Kunden mit der Automatisierung gemacht?

Für viele Kunden war es zunächst eine ungewohnte Erfahrung, die Steuerung der Gebote komplett der Adspert-KI zu überlassen. In einigen Fällen mussten zunächst die Ziele präzisiert, die Strategie angepasst werden. Eine KI kann anders arbeiten als ein Mensch – unzählige Korrelationen automatisch mit einbeziehen ist kein Problem – und das geht über die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns hinaus. Diese neuen Möglichkeiten zu verstehen und für sich zu nutze zu machen ist ein Mindsetchange, der bei unseren Kunden oft nachhaltige Veränderungen bewirkt: Technologie ergänzt den Menschen und gibt Kontrolle über BigData zurück. Und die Erfolge sprechen für sich: Steigerungen von teilweise mehreren 100 Prozent in Sales und Kostensenkungen sprechen für sich. 

Marcel Pirlich, 45, ist Gründer und CEO der Bidmanagement GmbH, Berlin. Das Unternehmen mit derzeit 25 Mitarbeitern koordiniert und verwaltet mit automatischer und selbstlernender KI-Technik das Advertisement auf Plattfomen wie Google, Bing und Yandex sowie auf der Handelsplattform von Amazon. Pirlich engagiert sich als KI-Experte in der Fokusgruppe Programmatic des BVDW.

Siehe auch:
„KI zeigt das Potenzial von Programmatic“

KI-Landkarte von Deutschland

Wie weit ist die Forschung rund um Künstliche Intelligenz in Deutschland und wo wird geforscht? Eine interaktive Karte gibt einen Überblick. Insgesamt listet die KI-Landkarte der Plattform Lernende Systeme aktuell bundesweit rund 90 wissenschaftliche Institute und Institutionen, die sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen. Wöchentlich werden es mehr. 

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Adesso Umfrage: KI ist alternativlos

320 Entscheider und 1000 Endkunden: Der Dienstleister Adesso führte eine großangelegte Befragung zum Thema Künstliche Intelligenz durch. Der Trend war klar: Die meisten Manager halten die Entwicklung für alternativlos. Sie sagen: „Unternehmen, die in den nächsten fünf Jahren in KI investieren, haben einen Wettbewerbsvorteil.“

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Bitkom Studie: Externe KI-Spezialisten gefragt

Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz setzt die Wirtschaft vor allem auf externe Spezialisten. Vier von zehn Großunternehmen, die bereits an KI-Projekten arbeiten, beauftragen dafür IT-Projektdienstleister oder diskutieren darüber. Die große Mehrheit erwartet, dass sich dieser Trend weiter verstärkt. Das geht aus einer Studie des Verbandes Bitkom hervor.

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AI German Start-up Landscape

Die besten KI Start-ups sind aus den USA oder China. Nach der CB Insights AI 100 Liste schafft es nur einziges Start-up aus Deutschland unter die Top 100: Twenty Billion Neurons. Das klingt aber hoffnungsloser als es ist. Die Initiative for Applied AI hat nun eine Karte veröffentlicht, die 214 KI-Start-ups aus Deutschland auflistet.

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Sieben Risiken im Umgang mit KI

Eine Umfrage zeigt: Es gibt sieben potenzielle Risiken, die mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Cybersicherheit verbunden sein können. Der Verlust der Privatsphäre, der KI-Master-Algorithmus, Unverständnis über die Grenzen des Algorithmus, unzureichend geschützte Daten, ungeeignete Trainingssituationen, mangelnde Transparenz und der Einsatz von falschen Algorithmen.

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GroupM: KI ist keine Science Fiction

Künstliche Intelligenz ist keine Science Fiction mehr, sondern längst beim Konsumenten angekommen: In Bereichen wie dem Automobil (67 Prozent), der Unterhaltungselektronik (63 Prozent), Telekommunikation (59 Prozent) und der Medizin (56 Prozent) gehört KI gefühlt für viele Deutsche zum Alltag. Dies ist das Ergebnis der aktuellen Umfrage „Spotlight: Künstliche Intelligenz“, die [m]Science als zentrale Forschungsunit der GroupM durchgeführt hat. Weitere Ergebnisse: Jeder zweite Deutsche setzt in Zukunft auf Beratungsbots für die Steuererklärung. Und: KI liegt beim Musik hören, online Einkaufen und Spielen voll im Trend.

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